Besprechung – “Adieu Au Langage”

Auch auf dem Programm stand der Film “Adieu Au Langage” von Jean-Luc-Godard. Es war absehbar, dass das keine seichte Unterhaltung werden würde, einigen Besprechungen nach zu urteilen, die ich vorher recherchiert hatte. Trotzdem war ich neugierig, wie so eine multisensorische Attacke aussehen könnte, und außerdem ist das ein Film, den man wahrscheinlich nicht so oft im Kino sehen können würde zumal in 3D. Godard in 3D ???


Hier eine Kritik, die die Wirkung ganz gut auf den Punkt bringt:

Es geht, wie immer im Spätwerk Godards, um alles: Hitler, Frauen (über weite Strecken splitternackt: Héloise Godet), Männer, das Sterben, das Leben, das Alter, das Kacken (es wird lautstark gepupst) und neuerdings auch einen recht possierlichen Köter, der im letzten Drittel des Films zur Hauptfigur wird.

Ausgerechnet Godard, man entschuldige die billige Pointe, kommt in seinem vielleicht letzten Film auf den Hund, wenn das nicht ein ganzes Deutungsspektrum eröffnet. Zudem entdeckt er seine Freude an 3D-Technik, sodass seine üblichen Tafeln und Text-Einblendungen nun schön dreidimensional in den Saal ragen. Einige gemein überblendete Szenen mit Godet und ihrem ebenfalls oft nackten (und kackenden) Filmpartner Kamel Abdelli sorgen beim Versuch des Betrachtens mit 3D-Brille jedoch veritable Sehnervenkrämpfe und Kopfschmerzen. Damit in Erinnerung zu bleiben, bereitet dem Kinomeister der Schikane wahrscheinlich das größte Vergnügen. Den Buhrufen am Ende beugt Godard durch lautes Babygebrüll und Hundegewinsel im Abspann vor. Und bringt das ausdauernde, infantil-animalische Grundmotiv dieses Festivals damit unwissentlich auf den Punkt.

Trotzdem ist es schon ein besonderes Kinoerlebnis. Godard reizt hier das 3D-Kino voll aus und experimentiert wild damit. Unterschiedlichste Kamera / Bildqualitäten werden rüde hintereinander gesetzt, immer wieder reißt der Ton oder die Musik sprunghaft ab. Er tut alles, um zu vermeiden, dass man sich “in den Film” fallen lässt. Bei einigen Szenen sind die Bilder des linken und rechten Auges im 3D Raum so übereinander gesetzt, das Beide Bilder verschwimmen, da sie unterschiedliche Kameraperspektiven, bzw. 2 verschiedene Personen zeigen. Klarheit kommt nur dann zustande wenn man jeweils ein Auge schließt. Untertitel sind quasi auch in 3D weit vor die Leinwand gesetzt. Also ein wildes Experimentierfeld mit Räumen, Perspektiven und Bildqualitäten. Eine Geschichte gibt es in dem Sinne nicht, nur wild aneinander gereihte Szenen, die ungefähr 4 oder 5 assoziative Handlungstränge mehr andeuten als wirklich aufzeigen.

 

Trotzdem sehenswert !!!!

 

 

Sound-Aspekte in Filmen des Filmfestivals München 2014

Hier mein ganz persönlicher Blick auf das Filmfestival München 2014 – aus der Perspektive eines “Ton-Menschen”

Interessant mal ein paar Querverbindungen herzustellen – Nicht so oft kommen Menschen der Tonwelten explizit in Filmen vor. In München war das anders:

Da gibt es den Set-Ton Man in “El Loro y El Cisne”, den Keks-Sounddesigner in der “Mamba”. Der Film “Periscopio”, hatte ein wirklich ausgefeiltes, in Richtung experimentelle Musik gehendes Sound-Design.

Der Protagonist in dem Film “Swim Little Fish – Swim” ist ein erfolgloser Lo-Fi – Musiker in New York, der Musik mit “Kinder”-Instrumenten macht, aber auch ein sehr futuristisches selbst-entwickeltes Musik-Instrument benutzt.

Der brasilianische Animationsfilm “Der Junge und diw Welt” – alles mit Wachs-stiften animiert und in einer ganz igenen Ästhetik, kommt komplett ohne Dialoge aus – und hier sind die Passagen ohne Musik – oder mit wenig Musik natürlich Geräuschemäßig extrem fein gestaltet. Leider ist der Film dann aber doch etwas zu lang – (atmig) geraten.

Dann gab es da noch den Film “Die große Versuchung – Lügen bis der Arzt – Komödie” – Eine Relativ-Geradlinige “Working Class – Men” – Komödie. Aber in dieser Rubrik ist eine Drehbuch Idee wirklich erwähnenswert und schön umgesetzt: Der Arzt, um den sich in dem Film alles dreht, also der Arzt, der davon überzeugt werden soll, sich in dem verlassenen Fischerort niederzulassen ist ein leidenschaftlicher “Jazz”-Hörer. Damit er sich nun so heimisch wie möglich fühlt, wird ein Mitglied der Dorfgemeinschaft dazu verdonnert, mit ihm zusammen Musik zu hören. Dieser haßt aber Jazz im Allgemeinen und die Art, die der Arzt besonders gerne mag, ganz Besonders. Diese Drehbuchidee ist wirklich nett umgesetzt und taucht als “running-gag” immer wieder auf.

 

 

 

 

Aside

Besprechung – Dr. Proktor’s Pupspulver

Trailer

Ein wichtiger Teil des Münchner Filmfestes ist das Kinderkinofestival. Also warum nicht auch einen Kinderfilm anschauen.

Nach meiner Arbeit an “Petterson und Findus”, kann es ja nicht schaden sich mal einen anderen europäischen aufwändig produzierten Kinderfilm anzuschauen.

Vorneweg gesagt: Es war ein Screening mit vielen Schulklassen und demnach Kindern, und es war eine deutsche Synchronfassung, die ich nicht gelungen fand. Einige Charaktere kommen dadurch sehr oberflächlich und klischeehaft rüber.

Der Film ist insgesamt sehr schön gemacht, im Abspann gibt es eigens einen Eintrag für “Pups-Geräuschemacher” – Der Regisseur erklärte, dass der Geräuschemacher da eben alle Register gezogen hat, um diese Sounds zu erstellen – vor allem auch, was etwas verwundert: auch viele elektronische. Da hätte man natürlich gerne mehr erfahren, aber das muss wohl auf irgendeinem anderen Forum passieren.

Die Musik ist – klassische orchestriert und komponiert, erfüllt wunderbar seinen Zweck und drängt sich nicht in den Vordergrund auch wenn sie ganze Strecken untermalt. Es ist immer interessant zu sehen, wie Kinder auf Schockeffekte oder  bedrohliche Momente reagieren. In diesem Fall war das eine sehr gut animierte Riesenschlang, die einige Male sehr unvermittelt auftaucht. Besonders die Eingeweide – also der Verdauungstrakt der Schlange von innen, ist sehr ekelerregend und glibberig umgesetzt – Das scheint den Kleinen aber nicht sonderlich viel auszumachen.

Kurz zur Erklärung: Ein recht verrückter Professor hat mehr oder weniger unfreiwillig ein Pulver entdeckt – oder erfunden – das so starke Pfütze erzeugt – übrigens 100 % geruchsneutral – dass man damit durch die Luft fliegen kann, oder auch Salutschüsse für feierliche Zeremonien erzeugn kann. Das ist wirklich sehr amüsant und auch toll umgesetzt, allerdings wiederholt es sich dann doch im Verlauf des Films. Nach meinem Empfinden wurde viel von dem Pulver schon recht früh in dem Film verschossen.

Wirklich sehenswert und unterhaltsam. Vom selben Regisseur: Arild Fröhlich auch die witzige “Nerd-Sex-Porno” Komödie “Fatso” – allerdings sollte man da besser die Kinder zu Hause lassen.

Trailer

 

 

 

 

Aside

Worst Case Scenario – Besprechung

Am Montag dann die Premiere von “Worst Case Scenario” – ein Film übers Scheitern beim Filmemachen. Geldmangel, Konzeptlosigkeit und Mitarbeiterschwund bringen die Pläne eines idealistischen, ambitionierten Regisseurs zu Fall.

Das Screenng war sehr gut, ebenfalls viele spontane Reaktionen des Publikums. Der Film hatte keinerlei Längen oder Durchhänger und es macht großen Spaß, einmal deutsche (und natürlich polnische) Schauspieler beim Improvisieren zuzuschauen. Die Pointen sitzen und man fragt sich wirklich die ganze Zeit, was ist echt, was dokumentarisch, was autobiografisch… und so schwebt man durch den Film, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und durchlebt diese Film-im Film Reise sehr lebendig. Auch die Mischung von “Amateur” – Schauspielern und Profis funktioniert super und bildet sich im Film selbst als Thema ab.

Eine tolles Beispiel für Leichtigkeit in der Inszenierung – Der Film sollte Pflicht werden für alle Studienanfänger, die ins Filmbusiness möchten und diesen Weg einschlagen.

Daneben werden aber auch Themen wie “Vater werden”, “Älter werden” – “Echt sein”, “Solidarisch sein” und so weiter herrlich beiläufig verhandelt.

Sehr gelungen !! Und ein großer Spaß – Auch wegen der Musik und dem herrlichen “Durcheinander-Reden” – was man sonst in deutschen Filmen auch selten sieht – erinnert es manchmal an einen “Woody Allen” – Film, allerdings nur im positiven Sinne.